Kreidezähne (MIH) – Eine neue Gefahr für Kinder?

Was sind Kreidezähne?

Die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH), im Volksmund auch „Kreidezähne“ genannt, ist eine spezielle Form der Schmelzbildungsstörung, nämlich einer systemisch bedingten Hypomineralisation. Am häufigsten davon betroffen sind die ersten bleibenden Backenzähne (6-Jahres- Molar), sowie die Schneidezähne.

Der Zahnschmelz ist normalerweise das härteste Material in unserem Körper. Durch diese Strukturstörung ist der Schmelz aber proteinreicher und enthält weniger Hydroxylapatit, was unseren Zahn weicher und poröser macht. Bakterien gelangen einfacher durch diesen mindermineralisierten Schmelz, folglich sind die betroffenen Zähne kariesanfälliger und reagieren überempfindlich auf äußere Reize. Wegen der schlechteren Schmelzqualität kommt es häufiger zu Abplatzungen der Zähne während des Zahndurchbruchs- MIH Zähne sind brüchig wie „ Kreide“.

 

Kreidezähne- eine neue Krankheit?

1987 wurde das Krankheitsbild MIH das erste Mal von schwedischen Wissenschaftlern offiziell beschrieben. Es wird vermutet, dass es Kreidezähne aber schon deutlich länger gibt, nur dass die Symptome von der Karieserkrankung bislang überdeckt wurden. Da der Kariesbefall bei Kindern seit mehreren Jahren rückläufig ist, werden MIH Zähne vermutlich nun häufiger erkannt.

 

Ursachen für Kreidezähne

MIH ist ein multifaktorielles, exogenes induziertes Geschehen, das vermutlich in den ersten Lebensmonaten während der Mineralisationsphase der betroffenen Zähne stattfindet. Die Schmelzbildung findet bereits während der Schwangerschaft bis zum 4. Lebensjahr statt.

Der Schmelz wird von den Ameloblasten gebildet. Die Ameloblasten bilden zuerst Proteine, die als Grundgerüst für die Schmelzbildung fungieren. Mit der Zeit werden Salze in das Gerüst eingelagert, welches zu Hydroxylapatit mineralisiert (Mineralisationsphase). Die Ameloblasten stellen danach ihre Funktion ein. Bei Kreidezähnen liegt also eine Störung während dieser Schmelzbildungsphase vor. Die Ursachen und Auslöser sind bis heute aber nicht eindeutig geklärt.

Mögliche exogene Ursachen:

  • Bisphenol A
  • Frühgeburt/nataler O2 Mangel
  • Akute oder chronische Erkrankungen (z.B. Masern, Windpocken, Asthma)
  • Vit D Mangel
  • Häufige Anwendung von Medikamenten

 

Wie häufig ist MIH?

Da gibt es große Schwankungen in den Statistiken! Es lässt sich aber sagen, dass circa jedes 10. Kind mindestens ein MIH Zahn aufweist. Laut DMS-V Studie sind sogar 28,7% der 12- Jährigen in Deutschland betroffen. Das heißt, dass in dieser Altersgruppe Kreidezähne sogar häufiger sind als Karies. Allerdings sind nur wenige von einer schweren MIH mit großen Substanzeinbrüchen und Hypersensibilitäten auch betroffen. Die meisten weisen nur geringe Opazitäten auf, sodass häufig eine MIH unerkannt bleibt.

 

Hat mein Kind MIH?

Zur Diagnose genügt der Blick des Zahnarztes in den Mund des Kindes. Ideales Untersuchungsalter ist 6-8 Jahre, da dann die Milchzähne anfangen auszufallen und die bleibenden Backenzähne (Molaren) und Schneidezähne (Inzisiven) sichtbar sind. Bei schweren MIH Formen ist dies schon während des Zahndurchbruchs der ersten Molaren diagnostizierbar, sprich im Alter von circa 6 Jahren. Dies ist sinnvoll um durch frühzeitige Therapie Folgeschäden so gering wie möglich zu halten.

Das klassische Bild der MIH wurde korrigiert. Die beschriebenen Defekte wurden auch an anderen bleibenden Zähnen beobachtet, sowie an den 2ten Milchmolaren (siehe Milchmolaren-Hypomineralisation, MMH).

Wenn Sie sich unsicher sind, sprechen Sie ihren Zahnarzt darauf an oder vereinbaren Sie hier einen unverbindlichen Beratungstermin.

 

Was sind Symptome die bei Kreidezähnen auftreten?

-Weiße, cremefarbene oder gelb-bräunliche Farbabweichungen an den Schneidezähnen oder Backenzähnen

Hypersensibilität der Zähne. Ihr Kind klagt über Schmerzen beim Zähneputzen, beim Essen, beim Trinken von kalten oder heißen Getränken.

– Abgeplatzter Zahnschmelz an frisch durchgebrochenen Zähnen

Wenn ihr Kind eins dieser Symptome zeigt, zögern Sie nicht einen Termin beim Zahnarzt zu vereinbaren. Je früher der Zahnarzt Kreidezähne therapiert, desto höher ist die Chance die Zähne ein Leben lang zu erhalten.

Kreidezähne oder doch etwas Anderes?

Es ist wichtig die Symptome rechtzeitig beim Zahnarzt abklären zu lassen, damit er die richtige Diagnose stellt und die Therapie danach ausrichtet.

Es gibt einige Differentialdiagnosen, die sich teilweise ähnlich darstellen wie die MIH. Dazu gehören zum Beispiel:

Fluorosen, diese entstehen durch eine Überdosierung mit Fluoriden

White/ Brown Spot, die eine Vorstufe der Karies darstellen

– Tetrazyklinverfärbungen durch eine Behandlung mit dem Antibiotikum Tetrazyklin

Amelogenesis imperfecta, eine genetisch bedingte Schmelzbildungsstörung (Milchzähne und bleibende Zähne sind davon betroffen)

 

 

 

 

Diagnose „Kreidezähne“, was nun?

Wenn der Zahnarzt tatsächlich Kreidezähne bei ihrem Kind feststellt, schaut er wie schwerwiegend die Zähne davon betroffen sind. Oft sind eher milde Formen zu sehen mit Verfärbungen an den Zahnflächen. Seltener treten Substanzdefekte mit Hypersensibilitäten auf.

Der „MIH-Treatment Need Index“ hilft dabei die Zahnerkrankung in fünf Schweregrade einzuteilen und die Therapie danach auszurichten.

Index 0: keine MIH

Index 1: MIH ohne Hypersensibilität, kein Substanzdefekt

Index 2: MIH ohne Hypersensibilität, mit Substanzdefekt

Index 3: MIH mit Hypersensibilität, kein Substanzdefekt

Index 4: MIH mit Hypersensibilität, mit Substanzdefekt

 

Therapie

Kinder, die aufgrund der Kreidezähne Schmerzen haben, sind im Alltag sehr eingeschränkt und deren Lebensqualität leidet darunter. Durch die Hypersensibilität ist die Mundhygiene oft eingeschränkt und das obwohl Kreidezähne kariesanfälliger sind. Wichtig ist es hier schnell Schmerzfreiheit zu schaffen, um den Kindern einen normalen Alltag zu ermöglichen. Durch das Auftragen einer dünnen „Schutzschicht“ auf der porösen Oberfläche der betroffenen Zähne, kann die Überempfindlichkeit reduziert werden. Für solche Behandlungen eignen sich spezielle Fluoridlacke. Neuere Produkte enthalten bioverfügbares Calcium und Phosphat. Dies fördert die Wiedereinlagerung von Mineralien in die Zahnhartsubstanz. Zusätzlich gibt es desensibilisierende Pasten die auch zu Hause verwendet werden können. In einigen Fällen kann vom Zahnarzt eine individuelle Schiene hergestellt werden, um die Aufnahme des Wirkstoffs über Nacht zu ermöglichen. Die Anwendungsart für den häuslichen Gebrauch sollte stets mit dem zuständigen Zahnarzt besprochen werden.

Ebenso wichtig ist die tägliche Fluoridzufuhr durch das Zähneputzen. Dies fördert ebenso die Remineralisation, folglich wird der Zahn härter und weniger kariesanfällig. Sprechen Sie uns gerne darauf an!

Therapie bei kleinen Zahnschäden

Bei milden Defekten reichen oft Versiegelungen aus. Ebenso können dünnfließende Kunststoffe oder Glasionomerzemente aufgetragen werden.

Therapie bei größeren Zahnschäden

Für größere Defekte und die Primärversorgung eignen sich Glasionomere. Wenn die Kinder groß genug sind und die Mundhygiene gut ist, dann können endgültige Restaurationen wie direkte Kompositfüllungen oder Keramikteilkronen geplant werden. Da der Haftverbund von den restaurativen Materialien an den mindermineralisierten Schmelz schlechter ist, muss umso mehr auf eine gute häusliche Mundhygiene geachtet werden. Dies wird bei regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen überprüft. So können Restaurationen auch bei Kreidezähne lange halten. Unser Ziel ist ein stabiles, gesundes Gebiss.

Wenn Kreidezähne nicht gerettet werden können

Wenn ein Kreidezahn doch nicht gerettet werden kann, dann sollte der Zahnarzt mit einem Kieferorthopäden zusammen noch vor der Extraktion eine Therapie planen. So kann der ideale Zeitpunkt für eine Extraktion festgelegt werden.

 

Ästhetische Korrektur an den Schneidezähnen

Wenn die Schneidezähne von MIH betroffen sind, dann fällt dies häufig direkt auf. Die Kinder schämen sich oder trauen sich nicht zu lächeln. In einigen Fällen lassen sich diese „ weißen Flecken“ mit einer speziellen Technik überdecken. Durch ein minimalinvasives Infiltrationsverfahren mit einem dünnfließenden Kunststoff erreicht man recht einfach und schonend eine schnelle ästhetische Verbesserung.

Fazit: Wichtiges zur Vermeidung von Spätfolgen

-Früherkennung der Zahnerkrankung durch den Zahnarzt

-Engmaschige Kontrollen und regelmäßige Zahnreinigungen

-Gute tägliche Zahnhygiene und Einbindung der Eltern